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Auf der Grundlage seiner regelmäßigen wirtschaftlichen und monetären Analyse beschloss der EZB-Rat auf seiner Sitzung am 6. Oktober 2011, die Leitzinsen der EZB unverändert zu belassen. Die Inflation liegt weiterhin auf erhöhtem Niveau, und eingehende Daten haben bestätigt, dass sie in den kommenden Monaten über der 2 %-Marke bleiben, danach aber zurückgehen dürfte. Gleichzeitig ist die Grunddynamik der monetären Expansion nach wie vor moderat. Anhaltende Spannungen an den Finanzmärkten und ungünstige Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen dürften sich in der zweiten Jahreshälfte 2011 dämpfend auf das Tempo des Wirtschaftswachstums im Euro-Währungsgebiet auswirken. Der Wirtschaftsausblick ist weiterhin mit besonders hoher Unsicherheit und verstärkten Abwärtsrisiken behaftet. Zugleich bleiben die kurzfristigen Zinsen niedrig. Es ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, dass die Geldpolitik Preisstabilität auf mittlere Sicht gewährleistet, um so sicherzustellen, dass die Inflationserwartungen im Euroraum fest auf einem Niveau verankert sind, das mit dem Ziel des EZB-Rats im Einklang steht, die Preissteigerung mittelfristig unter, aber nahe 2 % zu halten. Diese Verankerung der Inflationserwartungen ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Geldpolitik ihren Beitrag zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums und zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Eurogebiet leisten kann. In nächster Zeit ist eine sehr genaue Analyse aller eingehenden Daten und Entwicklungen angebracht.
Ferner legte der EZB-Rat die Einzelheiten zu den Refinanzierungsgeschäften fest, die in der Zeit von Oktober 2011 bis zum 10. Juli 2012 abgewickelt werden. Er beschloss, zwei längerfristige Refinanzierungsgeschäfte durchzuführen, eines im Oktober 2011 mit einer Laufzeit von rund 12 Monaten und eines im Dezember 2011 mit einer Laufzeit von rund 13 Monaten, wobei weiterhin bei allen Refinanzierungsgeschäften das Mengentenderverfahren mit vollständiger Zuteilung Anwendung findet. Darüber hinaus beschloss der EZB-Rat, im November 2011 ein neues Programm zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen aufzulegen. [1] Die Liquiditätsversorgung und die Zuteilungsart bei den Refinanzierungsgeschäften werden weiterhin sicherstellen, dass die Banken im Eurogebiet keinen liquiditätsseitigen Beschränkungen unterliegen. Alle während der akuten Finanzmarktspannungen ergriffenen Sondermaßnahmen sind entsprechend ihrer Ausgestaltung vorübergehender Natur.
Was die wirtschaftliche Analyse betrifft, so wird für die zweite Jahreshälfte nun mit einem sehr moderaten Wachstum des realen BIP im Euroraum gerechnet, nachdem es sich im zweiten Vierteljahr 2011 gegenüber dem Vorquartal auf 0,2 % abgeschwächt hat. Die konjunkturelle Grunddynamik im Eurogebiet scheint durch eine Reihe von Faktoren gedämpft zu werden. Hierzu zählen eine Verlangsamung der globalen Nachfrage, Einbußen beim Unternehmer- und Verbrauchervertrauen sowie ungünstige Auswirkungen der anhaltenden Spannungen an einigen Staatsanleihemärkten im Euro-Währungsgebiet auf die Finanzierungsbedingungen. Gleichzeitig geht der EZB-Rat nach wie vor davon aus, dass das weiterhin positive Wachstum in den aufstrebenden Volkswirtschaften und die niedrigen kurzfristigen Zinsen sowie die verschiedenen Maßnahmen zur Unterstützung der Funktionsfähigkeit des Finanzsektors der Wirtschaftstätigkeit des Euroraums zugute kommen.
Nach Auffassung des EZB-Rats bleiben die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Währungsgebiet in einem von besonders hoher Unsicherheit geprägten Umfeld nach unten gerichtet. Abwärtsrisiken ergeben sich vor allem aus den anhaltenden Spannungen in einigen Finanzmarktsegmenten des Euroraums und weltweit sowie daraus, dass der resultierende Druck weiter auf die Realwirtschaft im Eurogebiet übergreifen könnte. Sie erwachsen ferner aus den nach wie vor hohen Energiepreisen, aus Protektionismusbestrebungen und aus der Möglichkeit einer ungeordneten Korrektur globaler Ungleichgewichte.
Was die Preisentwicklung anbelangt, so belief sich die jährliche Teuerungsrate nach dem HVPI für das Eurogebiet der Vorausschätzung von Eurostat zufolge im September 2011 auf 3,0 % nach 2,5 % im Vormonat. Die Preissteigerungsraten befinden sich seit Ende letzten Jahres auf einem erhöhten Niveau, was vor allem auf die Verteuerung von Energie und sonstigen Rohstoffen zurückzuführen ist. Mit Blick auf die Zukunft dürfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten deutlich über der 2 %-Marke bleiben, danach aber zurückgehen. In diesem Verlauf schlägt sich die Erwartung einer relativ stabilen Entwicklung des Lohnwachstums vor dem Hintergrund eines moderaten Wirtschaftswachstums nieder.
Der EZB-Rat ist weiterhin der Auffassung, dass die Risiken in Bezug auf die mittelfristigen Aussichten für die Preisentwicklung weitgehend ausgewogen sind. Aufwärtsrisiken bestehen in erster Linie im Zusammenhang mit möglichen Erhöhungen der indirekten Steuern und administrierten Preise aufgrund der in den kommenden Jahren erforderlichen Haushaltskonsolidierung. Abwärtsrisiken ergeben sich vor allem aus den Auswirkungen eines schwächer als erwartet ausfallenden Wachstums im Eurogebiet und in der übrigen Welt.
Was die monetäre Analyse betrifft, so stieg die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 von 2,1 % im Juli 2011 auf 2,8 % im August. Die jährliche Zuwachsrate der Buchkredite an den privaten Sektor, bereinigt um Kreditverkäufe und Kreditverbriefungen, betrug im August 2,8 % nach 2,6 % im Juli. Eine Reihe von Faktoren, die möglicherweise mit der Verschärfung der Spannungen an einigen Finanzmärkten zusammenhingen, könnte einen Aufwärtseffekt auf die Komponenten von M3 gehabt haben. Insbesondere scheinen umfangreiche Mittelzuflüsse bei den täglich fälligen Einlagen und Geldmarktfondsanteilen sowie spürbare Zuflüsse bei den Repogeschäften die monetäre Entwicklung im August bestimmt zu haben. Die Mittelzuflüsse bei den Repogeschäften spiegelten hauptsächlich besicherte Interbankkredite wider, die zunehmend über zentrale Kontrahenten – die zum geldhaltenden Sektor zählen – abgewickelt wurden. Insgesamt war das M3-Wachstum insbesondere auf den Anstieg der Zwölfmonatsrate von M1 (von 1,0 % im Juli auf 1,7 % im August) und die höhere Jahreswachstumsrate der marktfähigen Finanzinstrumente zurückzuführen.
Was die Gegenposten zu M3 anbelangt, so betrugen die jährlichen Zuwachsraten der Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften und an private Haushalte, beide bereinigt um Kreditverkäufe und Kreditverbriefungen, im August gegenüber dem Vormonat unverändert 2,2 % bzw. 2,7 %. Aus der angemessenen mittelfristigen Perspektive betrachtet, hat sich die Entwicklung des Wachstums der weit gefassten Geldmenge und der Kreditvergabe in den letzten Monaten weitgehend stabilisiert. Insgesamt bleibt die Grunddynamik der monetären Expansion somit moderat.
Die Situation des Bankensektors bedarf besonderer Aufmerksamkeit, wobei das Zusammenspiel zwischen Länderrisiko und dem Refinanzierungsbedarf der Banken zu berücksichtigen ist. Wie bereits in der Vergangenheit fordert der EZB-Rat die Banken nachdrücklich auf, alles zu tun, was erforderlich ist, um die Bilanzen zu stärken, Gewinne einzubehalten, Zurückhaltung bei den Bezügen zu gewährleisten und zur weiteren Stärkung ihrer Eigenkapitalbasis auf den Markt zurückgreifen. Sofern notwendig, sollten sie die staatlichen Hilfsmaßnahmen, die vollumfänglich einsatzbereit gemacht werden sollten, gänzlich ausschöpfen. Dazu zählt auch die Möglichkeit, dass Regierungen künftig über die Europäische Finanzstabilitätsfazilität (EFSF) Kredite für die Rekapitalisierung von Banken aufnehmen können.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der EZB-Rat auf der Grundlage seiner regelmäßigen wirtschaftlichen und monetären Analyse beschlossen hat, die Leitzinsen der EZB unverändert zu belassen. Die Inflation liegt weiterhin auf erhöhtem Niveau, und eingehende Daten haben bestätigt, dass sie in den kommenden Monaten über der 2 %-Marke bleiben, danach aber zurückgehen dürfte. Die Gegenprüfung anhand der Informationen der monetären Analyse bestätigt, dass die Grunddynamik der monetären Expansion nach wie vor moderat ist. Anhaltende Spannungen an den Finanzmärkten und ungünstige Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen dürften sich in der zweiten Jahreshälfte 2011 dämpfend auf das Tempo des Wirtschaftswachstums im Euro-Währungsgebiet auswirken. Der Wirtschaftsausblick ist weiterhin mit besonders hoher Unsicherheit und verstärkten Abwärtsrisiken behaftet. Zugleich bleiben die kurzfristigen Zinsen niedrig. Es ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, dass die Geldpolitik Preisstabilität auf mittlere Sicht gewährleistet, um so sicherzustellen, dass die Inflationserwartungen im Euroraum fest auf einem Niveau verankert sind, das mit dem Ziel des EZB-Rats im Einklang steht, die Preissteigerung mittelfristig unter, aber nahe 2 % zu halten. Diese Verankerung der Inflationserwartungen ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Geldpolitik ihren Beitrag zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums und zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Eurogebiet leisten kann. In nächster Zeit ist eine sehr genaue Analyse aller eingehenden Daten und Entwicklungen angebracht.
Was die Finanzpolitik anbelangt, so müssen alle Regierungen angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit an den Finanzmärkten entschlossen handeln und Maßnahmen vorziehen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zu stärken. Alle Regierungen des Euroraums müssen ihre unumstößliche Entschlossenheit demonstrieren, die von ihnen selbst begebenen Anleihen vollständig zu bedienen. Dies ist ein entscheidendes Element, um die Finanzstabilität im Euro-Währungsgebiet insgesamt zu gewährleisten. Länder, die von EU und IWF gemeinsam aufgelegte Anpassungsprogramme durchlaufen, sowie Staaten, die von den Finanzmarktbedingungen besonders betroffen sind, müssen alle angekündigten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung und die Stärkung der nationalen Fiskalregeln entschieden umsetzen und für zusätzliche Maßnahmen bereitstehen, wenn die weitere Entwicklung ihrer Lage diese erforderlich machen sollte.
Zur Stärkung des Vertrauens, der Wachstumsaussichten und der Schaffung von Arbeitsplätzen müssen Haushaltskonsolidierung und strukturelle Reformen Hand in Hand gehen. Deshalb fordert der EZB-Rat alle Regierungen des Euroraums nachdrücklich auf, substanzielle und umfassende Strukturreformen entschlossen und rasch umzusetzen. Dadurch können die Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern, die Flexibilität ihrer Volkswirtschaft erhöhen und ihr längerfristiges Wachstumspotenzial verbessern. Von entscheidender Bedeutung sind diesbezüglich Arbeitsmarktreformen, welche die Beseitigung von Arbeitsmarktrigiditäten und die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Lohnflexibilität zum Ziel haben, vor allem die Abschaffung der automatischen Lohnindexierungsklauseln und eine Stärkung der Tarifverträge auf Firmenebene. Allgemeiner ausgedrückt ist in diesen schwierigen Zeiten Zurückhaltung sowohl bei den Gewinnspannen als auch bei den Löhnen und Gehältern von zentraler Bedeutung. Die eben angeführten Maßnahmen sollten mit strukturellen Reformen einhergehen, welche den Wettbewerb an den Gütermärkten (insbesondere bei den Dienstleistungen) erhöhen und auch eine Liberalisierung der zugangsbeschränkten Berufe mit einbeziehen. In Betracht gezogen werden sollte gegebenenfalls auch die Privatisierung von Dienstleistungen, die derzeit vom öffentlichen Sektor erbracht werden. Hierdurch könnten das Produktivitätswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit gefördert werden. Zugleich fordert der EZB-Rat alle Regierungen des Euroraums nachdrücklich auf, sämtliche Aspekte der von ihnen am 21. Juli 2011 getroffenen Entscheidungen vollständig umzusetzen.
Diese Ausgabe des Monatsberichts enthält drei Aufsätze. Im ersten Beitrag wird untersucht, wie die im Rahmen der Analyse der Geldmengen- und Kreditentwicklung gewonnenen Informationen dazu beitragen können, die Auswirkungen des Verhaltens und der Intermediationstätigkeit der Banken auf die Wirtschaft zu bestimmen. Der zweite Aufsatz befasst sich mit den Strukturmerkmalen der Absatzwirtschaft und ihren Auswirkungen auf die Preisentwicklung im Euro-Währungsgebiet und legt nahe, dass beträchtlicher Spielraum für weitere Reformen zur Verbesserung des Binnenmarkts besteht. Im dritten Aufsatz wird die Entwicklung der Finanzkrise auf der Grundlage von Finanzierungsströmen analysiert.
[1]Weitere Details sind den folgenden Pressemitteilungen vom 6. Oktober 2011 zu entnehmen: „EZB kündigt Einzelheiten zu den Refinanzierungsgeschäften in der Zeit von Oktober 2011 bis zum 10. Juli 2012 an“ und „EZB kündigt neues Programm zum Ankauf gedeckter Schuldverschreibungen an“.